Erinnerung an den Tod des Zwangsarbeiters Edward Margol in Köln-Fühlingen

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Am 27. Januar wird jährlich an die Opfer der grausamen Verbrechen der NS-Zeit gedacht. Vor 76 Jahren wurde an eben diesem 27. Januar das Vernichtungslager Auschwitz befreit. Viele Millionen Menschen verloren durch die Verbrechen unserer Vorfahren ihr Leben. Durch eine systematische Verdrängungskultur bauen viele Menschen eine große Distanz zu den Verbrechen auf. Wir müssen aber der Realität ins Auge sehen, denn die Verbrechen sind damals auch von unseren Vorfahren im Kölner Norden begangen worden. Um den Opfern ihren Namen zurückzugeben und die Tatorte, die eben nicht nur in entfernten Gebieten lagen, zu markieren, hat der Kölner Künstler Gunter Demnig das Projekt „Stolpersteine“ ins Leben gerufen. Stolpersteine werden seit den 90er-Jahren zur Erinnerung und Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus durch den Künstler an dem Ort verlegt, an dem die Menschen vor ihrer Flucht oder Verhaftung lebten.

Im Kölner Stadtgebiet wurden seitdem über 2.300 Stolpersteine verlegt. Einer der Stolpersteine befindet sich im Stadtbezirk Köln-Chorweiler und erinnert an Edward Margol. Edward Margol wurde aus Polen verschleppt und lebte als Zwangsarbeiter im Haus Fühlingen. Das Haus Fühlingen war damals eine Wohn- und Arbeitsstätte für Zwangsarbeiter*innen in Köln. Auf Denunziation des Gutsbesitzers Ernst Kolb hat die Kölner Gestapo Edward Margol verhaftet. Ohne vorherige Gerichtsverhandlung wurde er am 15. Januar 1943 auf Veranlassung der Kölner Gestapo in einer alten Ziegelei an der Neusser Landstraße 129 öffentlich erhängt. Er wurde nur 20 Jahre alt. Ermittlungen aus der Nachkriegszeit haben ergeben, dass er zu Unrecht wegen angeblichem Kontakt zu deutschen Frauen beschuldigt wurde. Der Stolperstein zur Erinnerung an Edward Margol wurde nicht vor dem Haus Fühlingen, sondern an der Neusser Landstraße 43 verlegt.

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Wir haben den Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus zum Anlass genommen, um den Stolperstein zu putzen und die Inschrift auf der Messingplatte wieder sichtbar zu machen. Gerade in Zeiten, wo eine rechtspopulistische Partei eine „erinnerungspolitische Wende um 180 Grad“ fordert und sich Menschen in unserer freiheitlichen Demokratie mit Widerstandskämpfer*innen wie Sophie Scholl vergleichen, ist Erinnerung wichtiger denn je.