NRW zum Motor der Nachhaltigkeitswende machen

NRW zum Motor der Nachhaltigkeitswende machen

Jedes Jahr werden ca. 50 Mrd. Euro durch die öffentliche Hand in NRW ausgegeben. Wir wollen, dass dieses Geld in faire und nachhaltige Produkte und Dienstleistungen investiert wird, denn wenn wir die Nachhaltigkeitswende in NRW voranbringen möchten, können wir auf diesen mächtigen Markt nicht verzichten. Grade hier kann die Politik so gut wie nirgends sonst Leitplanken für fairen und nachhaltigen Einkauf schaffen. Auf diese Art können wir vor allem fortschrittliche Unternehmen unterstützen, die sich bereits heute für eine nachhaltige und gerechte Wirtschaft einsetzen.

Leider haben es diese fortschrittlichen Unternehmen bei uns in
NRW aktuell besonders schwer, Zugang zu diesem Markt zu finden, es läuft
nämlich oftmals so ab: 

Ein mittelständisches Unternehmen, beispielsweise im Bereich der
Arbeits- und Schutzkleidung, investiert in eine transparente Produktionskette.
Es lässt also kontrollieren, dass alle Personen, die an der Entstehung der
Jacken und Hosen beteiligt sind, einen fairen Lohn bekommen. Das Unternehmen
übernimmt Verantwortung hier in NRW und bei den Zulieferern im Ausland. 
Das kostet natürlich Geld, das das Unternehmen am Ende über erhöhte
Verkaufspreise wieder reinholen muss – für ein Standardhemd verlangt es deshalb
12 Euro

Für dieses Unternehmen ist die öffentliche Beschaffung ein wichtiger
Absatzmarkt, ohne den es nicht überleben kann. 
Mit seinen fairen und nachhaltigen Produkten kann es aber nicht mit
ausländischen Billigstanbietern konkurrieren, die ein Standardhemd für nur 3,50
Euro anbieten.

Glücklicherweise gibt es in NRW eine ganze Reihe von Kommunen,
für die nicht nur Preis und Qualität von Arbeits- und Schutzkleidung wichtig
ist, sondern auch Nachhaltigkeitsaspekte.

Solange sich das Unternehmen darauf verlassen kann, dass das so bleibt, wird es weiterhin in Menschenrechte und Umweltstandards investieren. Unter der aktuellen Gesetzeslage in Nordrhein-Westfalen kann es das aber nicht. 

Auch lesenswert:  Unternehmen müssen menschenwürdige Arbeitsbedingungen gewährleisten

Jedes Jahr aufs Neue ist das Unternehmen darauf angewiesen, dass
Kommunen sich freiwillig und aus eigenem Antrieb dafür entscheiden,
Nachhaltigkeitsaspekte in ihre Ausschreibungen aufzunehmen. Dafür müssen
Kommunen aber zunächst einmal finanziell gut genug aufgestellt sein, um nach
Nachhaltigkeitsaspekten zu beschaffen. Ist der Haushalt einer Kommune in einem
Jahr knapper, werden nämlich zunächst die freiwilligen Ausgaben gekürzt. Wären
sie allerdings zu einer Ausschreibung inklusive der Nachhaltigkeitsaspekten
verpflichtet, könnten sie auch bei knappem Haushalt immer auf faire,
nachhaltige und transparente Produktionsketten in ihren achten. 

Es darf nicht sein, dass verantwortungsbewusste Unternehmen, die
den größten Beitrag zu einer nachhaltigeren und faireren Wirtschaft leisten,
die schlechtesten Wettbewerbsbedingungen in NRW vorfinden.

Deshalb müssen wir als Land dafür sorgen, dass alle Kommunen in
NRW unabhängig von der Haushaltssituation Nachhaltigkeitsaspekte in ihre
Ausschreibungen aufnehmen. 

Am besten gelingt uns das, indem wir die Kommunen dabei aktiv unterstützen,
etwa mit einer Servicestelle „NRW.fair“. Denn mit Freiwilligkeit werden wir die
Nachhaltigkeitswende nicht stemmen können.

Gleichzeitig sollten wir darüber nachdenken, wie wir progressive
Unternehmen, etwa mit Steuervorteilen, ein wenig entlasten können.

NRW kann Motor der Nachhaltigkeitswende werden. Dafür brauchen wir aber neben dem wirtschaftlichen und dem sozialen auch den politischen Willen dazu.

Der Beitrag NRW zum Motor der Nachhaltigkeitswende machen erschien zuerst auf SPD Fraktion NRW.

Hier weiter lesen…