Wir wollen keine weiteren 100 Jahre warten!

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Vor 100 Jahren wurde am 04. Februar 1921 der Eingemeindungsvertrag zwischen der Stadt Köln, die damals durch den Oberbürgermeister Konrad Adenauer vertreten wurde, und der Bürgermeisterei Worringen, vertreten durch den Beigeordneten Heinrich Frenger in Fühlingen, abgeschlossen. Der Vereinigungsvertrag war die Grundlage für die am 01. April 1922 erfolgte Eingemeindung von Feldkassel, Fühlingen, Kasselberg, Langel, Merkenich, Rheinkassel, Roggendorf, Thenhoven, Weiler und Worringen in die Stadt Köln. Heute bilden die Veedel der ehemaligen Bürgermeisterei Worringen flachenmäßig den Großteil des Stadtbezirks Köln-Chorweiler.

Die Stadt Köln wollte mit der Erweiterung ein großes Industrie- und Gewerbegebiet in unmittelbarer Nähe des Rheins verwirklichen und benötigte dafür Freiflächen im Norden der Stadt. Gleichzeitig kamen der Bürgermeisterei Worringen die Eingemeindungspläne der Stadt Köln gelegen, da die Gemeinde mit ihren Soziallasten durch die gestiegene Arbeitslosigkeit im Zusammenhang mit dem 1. Weltkrieg zu kämpfen hatte. In der Bevölkerung gab es jedoch erhebliche Widerstände gegen die Eingemeindung. So stimmten bei mehreren außerorts geheimen Volksabstimmungen  75 % der Bevölkerung gegen eine Eingemeindung nach Köln. Schlussendlich hat der Worringer Gemeinderat hauptsächlich wegen der Mitwirkung Adenauers die Eingemeindung in die Stadt Köln mit 13 zu 3 Stimmen bei einer Enthaltung beschlossen. Grundlage für diesen Beschluss waren aber mehrere Bedingungen für die Vereinigung, die im Eingemeindungsvertrag festgehalten wurden.

Spätestens zwei Jahre nach Erlangung der Konzession bekommt Worringen eine Straßenbahn

100 Jahre nach der Vertragsunterzeichnung führen viele Veedel im Kölner Norden immer noch ein Eigenleben am Rand der Stadt. Dabei sind Worringen, Fühlingen, Merkenich, Roggendorf/Thenhoven und Volkhoven/Weiler genauso Kölner Veedel wie Lindenthal, Nippes, Ehrenfeld oder Deutz. Die Menschen im Kölner Norden fühlen sich vernachlässigt und vergessen von der Stadtspitze. Während sich Großteile der Kölner Politik um die Planung der milliardenschweren Ost-West-Achse kümmern, kämpfen viele Menschen in den äußeren Bezirken dafür, dass überhaupt eine Straßenbahn in ihrer Nähe fährt oder sie nicht stundenlang auf den nächsten Bus warten müssen. Im Eingemeindungsvertrag wurde Worringen „möglichst bald“ eine Anbindung an die Stadt mit einer Kleinbahn versprochen.
Eine Konzession für die Anbindung wurde bereits vor der Vertragsunterzeichnung beantragt. Die Stadt Köln hat sich im Vertrag dazu verpflichtet den Bau „spätestens zwei Jahre nach Erlangung der Konzession in Angriff zu nehmen und mit aller möglichen Beschleunigung durchzuführen, sowie mit allen Mitteln auf eine baldige Inbetriebnahme dieser Bahn hinzuwirken.“ Ein Jahrhundert nach der Vertragsunterzeichnung hat Worringen weder eine Straßenbahn, noch wurde ein aufwändiger Planungsprozess für eine zukünftige Straßenbahn durchlaufen. Die fehlende Straßenbahnanbindung an Worringen ist leider sinnbildlich für das Bemühen der Stadt bei vielen Themen im Kölner Norden und führt zu dem weit verbreiteten Frust in der Bevölkerung.

Ein Jahrhundert nach der Vertragsunterzeichnung hat Worringen noch immer keine Straßenbahn

Heute ist von der ehemaligen Gemeinde nur der südliche Teil von Merkenich an die Straßenbahn angeschlossen. Wir fordern nicht nur, aber gerade heute, die Einhaltung der Versprechen aus dem Eingemeindungsvertrag durch die Stadt Köln. Die Linie 12 muss nach Worringen verlängert werden. Wir wollen keine weiteren 100 Jahre warten!

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